Volle Auftragsbücher. Neue Kunden. Steigende Umsätze. Eigentlich läuft alles richtig. Und trotzdem kann genau in dieser Situation das Geld knapp werden.

Das wirkt zunächst widersprüchlich. Schließlich sollte mehr Umsatz doch auch mehr finanziellen Spielraum bedeuten. In der Praxis ist es häufig genau umgekehrt, zumindest vorübergehend. Denn eine der wichtigsten Regeln beim Wachstum lautet: Wachstum kostet häufig Geld, bevor es Geld bringt. Ein neuer Auftrag muss oft erst finanziert werden

Stellen wir uns einen Betrieb vor, der einen größeren Auftrag erhält. Für das Unternehmen ist das eine gute Nachricht. Der Umsatz steigt, die Kapazitäten werden besser ausgelastet und vielleicht entsteht daraus sogar eine langfristige Kundenbeziehung.

Doch bevor die erste Zahlung des Kunden eingeht, muss einiges passieren. Material oder Waren werden bestellt. Mitarbeitende leisten zusätzliche Stunden. Vielleicht werden weitere Mitarbeiter benötigt. Maschinen müssen angeschafft, Fahrzeuge geleast oder Produktionskapazitäten erweitert werden.

All diese Ausgaben entstehen heute. Der Kunde bezahlt seine Rechnung möglicherweise erst in 30, 60 oder sogar 90 Tagen. Genau dazwischen entsteht eine Lücke.

Umsatz ist nicht gleich Liquidität

Ein Auftrag über 100.000 EUR bedeutet zunächst einmal 100.000 Euro zusätzliches Auftragsvolumen. Es bedeutet nicht, dass 100.000 EUR auf dem Konto liegen.

Müssen für diesen Auftrag beispielsweise zunächst 30.000 oder 40.000 EUR für Material, Waren, Personal oder andere Leistungen aufgebracht werden, muss das Unternehmen diesen Betrag vorfinanzieren.

Kommt gleichzeitig ein zweiter oder dritter größerer Auftrag hinzu, steigt dieser Kapitalbedarf weiter. Das ist einer der Gründe, warum gerade schnell wachsende Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten geraten können, obwohl Umsatz und Auftragslage gut aussehen.

Der wirtschaftliche Erfolg ist vorhanden. Das Geld kommt nur später.

Ein typisches Beispiel aus der Praxis

Nehmen wir einen Handwerksbetrieb, der sich über mehrere neue Aufträge innerhalb kurzer Zeit freut. Die Auftragslage ist hervorragend. Um die Projekte abwickeln zu können, werden zusätzliche Materialien bestellt und zwei neue Mitarbeiter eingestellt. Gleichzeitig laufen Löhne, Miete, Versicherungen, Leasingraten und weitere Fixkosten weiter.

Die Lieferanten möchten innerhalb von 14 Tagen bezahlt werden.
Die Kunden zahlen nach Abschluss der Arbeiten und anschließendem Zahlungsziel.

Plötzlich liegen zwischen den eigenen Ausgaben und den Kundenzahlungen mehrere Wochen. Auf dem Papier wächst das Unternehmen. Auf dem Konto wird es enger.

Und genau das kann gefährlich werden, wenn dieser Effekt vorher nicht eingeplant wurde.

Je schneller das Wachstum, desto größer kann die Lücke werden

Deshalb reicht es nicht, bei der Unternehmensplanung nur auf Umsatz und Ergebnis zu schauen. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wann Geld tatsächlich ein- und ausgeht.

Unternehmer sollten deshalb frühzeitig wissen:

  • Wie viel Kapital müssen wir für neue Aufträge vorfinanzieren?
  • Wann kommen die entsprechenden Kundenzahlungen tatsächlich auf unserem Konto an?
  • Welche laufenden Kosten müssen wir bis dahin tragen?
  • Was passiert, wenn ein Kunde zwei oder vier Wochen später zahlt als geplant?
  • Welche Liquiditätsreserve bleibt uns, wenn mehrere Dinge gleichzeitig anders laufen als erwartet?

Diese Fragen sind keine Schwarzmalerei. Sie schaffen Sicherheit. Denn wer seine Zahlen kennt, kann entscheiden, bevor aus einem absehbaren Kapitalbedarf ein akutes Liquiditätsproblem wird.

Finanzierung planen, bevor das Geld knapp wird

Der ungünstigste Zeitpunkt, über eine Finanzierung nachzudenken, ist häufig der Moment, in dem das Geld bereits fehlt. Dann entsteht Zeitdruck. Rechnungen werden fällig, Gehälter müssen bezahlt werden und gleichzeitig sollen Gespräche mit Banken oder anderen Finanzierungspartnern geführt werden.

Die Ausgangsposition ist deutlich besser, wenn der Kapitalbedarf frühzeitig erkannt wird.

1. Wachstum in die Liquiditätsplanung übersetzen

Ein neuer Auftrag sollte nicht nur unter dem Gesichtspunkt des zusätzlichen Umsatzes betrachtet werden. Entscheidend ist auch: Welche Ausgaben entstehen wann – und wann fließt das Geld des Kunden tatsächlich?

Eine realistische Liquiditätsplanung macht diese zeitliche Lücke sichtbar.

2. Verschiedene Szenarien durchrechnen

Nicht jeder Kunde zahlt exakt am geplanten Tag. Projekte können sich verzögern. Material kann teurer werden. Eine Maschine kann ausfallen. Deshalb sollte eine Planung nicht nur den Idealfall zeigen.

Hilfreich ist auch die Frage: Was passiert mit unserer Liquidität, wenn Zahlungen später eingehen oder Kosten höher ausfallen?

3. Zahlungsbedingungen aktiv gestalten

Nicht jede Finanzierungslücke muss ausschließlich durch einen Kredit geschlossen werden. Je nach Geschäftsmodell können beispielsweise Abschlagszahlungen, Anzahlungen, kürzere Zahlungsziele oder andere Vereinbarungen mit Kunden helfen, den Vorfinanzierungsbedarf zu reduzieren.

Auch Zahlungsziele auf der Lieferantenseite können eine Rolle spielen.

4. Finanzierungsspielraum frühzeitig schaffen

Wenn absehbar ist, dass größere Aufträge, Investitionen oder zusätzliches Personal finanziert werden müssen, sollte das Gespräch über passende Finanzierungsmöglichkeiten nicht erst kurz vor dem Engpass beginnen.

Eine Finanzierung aus einer stabilen Situation heraus zu planen, ist etwas anderes, als unter Zeitdruck Liquidität beschaffen zu müssen.

5. Eine Reserve einplanen

Planungen laufen selten auf den Euro genau so, wie sie ursprünglich gedacht waren. Deshalb sollte zwischen dem errechneten Kapitalbedarf und der tatsächlich verfügbaren Finanzierung möglichst noch ein Puffer liegen.

Er schafft Handlungsspielraum, wenn Kunden später zahlen, Kosten steigen oder sich Projekte verschieben.

Wachstum braucht nicht nur Aufträge, sondern finanzielle Tragfähigkeit

Bei smartaxxess betrachten wir deshalb Geschäftsmodell, Planung, Kapitalbedarf, Liquidität und Finanzierung gemeinsam. Es geht darum, Wachstum so vorzubereiten, dass ein Unternehmen die Chancen neuer Aufträge auch wirklich nutzen kann, ohne dabei finanziell unnötig unter Druck zu geraten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wie stark können wir wachsen? Sondern auch: Können wir dieses Wachstum finanzieren?

Wer diese Frage frühzeitig beantwortet, gewinnt etwas sehr Wertvolles: Handlungsspielraum.

Sie planen größere Aufträge, zusätzliche Mitarbeiter oder Investitionen und möchten wissen, was das für Ihre Liquidität und Ihren Finanzierungsbedarf bedeutet? Dann sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam schauen wir auf die Zahlen und die nächsten Schritte.