Lesestoff: Die StartUp-Lüge von Jochen Kalka

10.06.2019 - 17:30
Start-ups stehen für Innovationen, Ideen, Veränderungen und eine bessere Zukunft. Dr. Jochen Kalka, Chefredakteur aller Titel der Werben & Verkaufen GmbH untersucht in seinem neuen Buch den Medienhype um Start-ups sowie deren Folgen. Gut recherchiert, mit vielen Fakten und persönlichen Beobachtungen belegt, zeigt Jochen Kalka, dass nicht alles glänzt was Start-up genannt wird.
 

Start-ups erinnern an des Kaisers neue Kleider

Der kritische Journalist empfindet den Silicon-Valley Tourismus zahlreicher deutscher Manager als reine Selbstvermarktung. Die Sprache, das „Startupsich“ ist für ihn „eine linguistische Bla-Bla-Blase“. Er missbilligt die unüberlegte Übernahme der sogenannten Start-up-Kultur.

Was Jochen Kalka wirklich befremdet, ist seine Erfahrung, dass ein gewisser Look, coole Räume und der Gebrauch vieler hipper Wörter oft ausreichen, um sich Start-up zu nennen und damit dann tatsächlich Erfolg zu haben. So berichtet er von einem alt eingesessenen Forschungsinstitut, das in einen finanziellen Engpass geriet. Allein die Umfirmierung in Survey-Startup hat die Finanzpartner von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells überzeugt. Dasselbe hat auch ein Getränkeunternehmen erlebt, das Blockchain auf seine Fahnen geschrieben hat und damit seinen Marktwert massiv erhöhen konnte.

Heftig kritisiert Kalka die Arbeitsbedingungen von „echten“ Start-ups. Mitarbeiter werden häufig brutal ausgebeutet. Feste Arbeitsverträge gibt es nicht. Frauenfeindlichkeit, Planungsunsicherheit gehören zum Normalzustand. Nicht selten werden sowohl Mitarbeiter als auch Investoren von den Gründern bewusst getäuscht, was schließlich dazu führt, dass neun von zehn Start-ups scheitern.

Das scheint viele Förderer und Geldinstitute allerdings nicht weiter zu stören. Paradoxerweise scheinen diese, sobald Start-up auf der Verpackung steht, alles positiv zu bewerten, so Kalka.
 

Und doch ist nicht alles Lüge

Trotz des provokativen Buchtitels „Die Startup-Lüge“ stellt Jochen Kalka allerdings auch fest: „Start-ups sind der Motor der Wirtschaft, Treibkraft der gesamten Gesellschaft. Sie sind das Morgen, die Zukunft, die Lösung.“

Denn Start-ups können neue Impulse setzen und mit neuen Methoden und neuer Denkweise auch klassische Unternehmen wie auch die ganze Wirtschaft beeinflussen. Wer alte Systeme disruptiv verändert, kann sogar die Welt verändern.

Was der Autor anprangert sind der Umgang, die Erwartungshaltungen und die Veränderungen, die eine Verherrlichung der Start-up-Gesellschaft mit sich bringen.“

Sein Appell: „Wer mit Herz gründet, dem ist es am Ende völlig egal, ob es ein Startup ist oder ein primitives Knopfgeschäft.“ – betont dann auch Jochen Kalka in einem im Februar 2019 veröffentlichen Essay.
 

Fazit: Interessant und trotzdem unterhaltsam

Das sehr unterhaltsam geschriebene Buch sticht mit Insider-Wissen, Statistiken, Beispielen und vielen Fragen aus der Masse der üblichen Wirtschaftsbücher heraus. Auf 223 Seiten zeigt Jochen Kalka seine private und oft auch bewusst überzogene Sicht der Dinge.
Zugutekommen dem Autor seine langjährige Erfahrung in der Berichterstattung über Start-ups.

Das Buch eignet sich ebenso für Gründer und Start-up-Interessierte wie auch für Unternehmer und Investoren
 

Buchinfos:

Die StartUp-Lüge
Wie die Existenzgründungseuphorie missbraucht wird – und wer davon profitiert
von Jochen Kalka
Econ Verlag (1. Auflage, Februar 2019)
18 Euro (D)
ISBN 978-3-430-21002-7

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